Leaky Gut – Was bedeutet das eigentlich? (Science Proof Nr. 1)
Geschrieben von: Sven Altorfer
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Lesezeit 4 min
Der Darm ist keine undurchlässige Mauer, sondern eine dynamisch regulierte Grenze – die sogenannten Tight Junctions steuern präzise, was den Körper erreicht.
Leaky Gut beschreibt eine erhöhte intestinale Permeabilität – und verursacht oft keine spürbaren Symptome, obwohl auf biologischer Ebene bereits Veränderungen stattfinden.
Eine Langzeitstudie mit 1'420 symptomfreien Teilnehmern zeigte: Eine erhöhte Darmpermeabilität war mit einer späteren Crohn-Diagnose assoziiert – teils über drei Jahre im Voraus nachweisbar.
Die Studie beweist keine Kausalität, aber sie macht deutlich: Biologische Prozesse beginnen nicht erst dann, wenn wir etwas davon spüren.
Unser Darm soll durchlässig sein. Nur nicht für alles.
Was passiert, wenn unsere Darmbarriere durchlässiger wird – und warum können solche Veränderungen vorhanden sein, lange bevor wir etwas davon bemerken?
Eine Grenze muss nicht undurchlässig sein, um zu schützen.
Eine intelligente Grenze
Unser Darm ist keine geschlossene Mauer. Das wäre sogar problematisch: Schliesslich muss er Wasser, Mineralstoffe und Nährstoffe aus unserer Nahrung aufnehmen können.
Gleichzeitig bildet die Darmwand eine wichtige Grenze zwischen dem Darminhalt und dem Inneren unseres Körpers. Sie muss sehr genau regulieren, was passieren darf – und was nicht.
Man kann sie deshalb eher mit einer lebendigen natürlichen Grenze vergleichen: durchlässig, dynamisch und hochgradig reguliert.
Was bedeutet Leaky Gut?
Leaky Gut ist ein populärer Begriff. Wissenschaftlich spricht man präziser von einer erhöhten intestinalen Permeabilität – also einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmbarriere.
Die Darmschleimhaut besteht aus einer einzigen Schicht eng miteinander verbundener Zellen. Zwischen diesen Zellen befinden sich komplexe Verbindungsstrukturen, unter anderem sogenannte Tight Junctions.
Sie helfen dabei zu regulieren, welche Stoffe zwischen den Zellen hindurchtreten können. Diese Verbindungen sind nicht starr. Sie werden laufend reguliert und reagieren auf ihre biologische Umgebung.
Spürt man eine erhöhte Darmpermeabilität?
Nicht unbedingt.
Eine erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut) ist selbst kein eindeutig wahrnehmbares Symptom. Man kann deshalb nicht allein aufgrund von Blähungen, Müdigkeit oder anderen unspezifischen Beschwerden feststellen, ob die Darmbarriere verändert ist.
Und umgekehrt bedeutet das Fehlen von Beschwerden nicht zwangsläufig, dass sich biologisch nichts verändert. Genau hier wird eine bemerkenswerte Langzeitstudie interessant.
Die Studie
Increased Intestinal Permeability Is Associated With Later Development of Crohn's Disease
Turpin W. et al. · Gastroenterology · 2020
1'420 symptomfreie Teilnehmer
7,8 Jahre medianes Follow-up
50 spätere Crohn-Diagnosen
Was wurde untersucht?
Die Forscher untersuchten 1'420 Menschen im Alter von 6 bis 35 Jahren, die zu Beginn keine Symptome von Morbus Crohn hatten. Alle waren Verwandte ersten Grades von Menschen mit Morbus Crohn und gehörten damit zu einer Gruppe mit erhöhtem familiärem Risiko.
Die Durchlässigkeit der Darmbarriere wurde mit einem sogenannten Lactulose-Mannitol-Test gemessen. Danach wurden die Teilnehmer über mehrere Jahre beobachtet.
Was wurde beobachtet?
Eine auffällig erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut) zu Beginn der Studie war mit einer späteren Crohn-Diagnose assoziiert. Dieser Zusammenhang war sogar noch nachweisbar, wenn die Messung mehr als drei Jahre vor der späteren Diagnose stattgefunden hatte.
Biologische Veränderungen können stattfinden, lange bevor wir sie bewusst wahrnehmen.
Warum ist das spannend?
Zum Zeitpunkt der ersten Messung waren die untersuchten Menschen symptomfrei.
Die Studie zeigt damit, dass eine veränderte Darmbarriere vorhanden sein kann, bevor eine Erkrankung klinisch sichtbar wird. Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass biologische Prozesse nicht immer erst dann beginnen, wenn wir etwas davon spüren.
Was bedeutet das biologisch?
Unsere Darmbarriere liegt an einer aussergewöhnlichen Schnittstelle. Auf der einen Seite befinden sich Nahrung, Mikroorganismen und unzählige Bestandteile des Darminhalts. Auf der anderen Seite liegen unser Gewebe und ein hochaktives Immunsystem.
Verändert sich die Regulation dieser Grenze, kann sich auch der Kontakt zwischen Bestandteilen des Darminhalts und dem Immunsystem verändern. Deshalb ist die Darmbarriere heute ein wichtiges Forschungsgebiet – insbesondere bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
WISSENSCHAFTLICHE EINORDNUNG
Was diese Studie nicht beweist
Die Studie beweist nicht, dass eine erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut) Morbus Crohn verursacht.
Sie zeigt auch nicht, dass jeder Mensch mit erhöhter Darmpermeabilität später erkrankt.
Ausserdem wurde keine zufällig ausgewählte Durchschnittsbevölkerung untersucht, sondern nahe Verwandte von Menschen mit Morbus Crohn. Diese Einschränkung ist wichtig, wenn man die Ergebnisse einordnet.
Was können wir daraus mitnehmen?
Unsere Darmbarriere ist kein passiver Schutzwall. Sie ist ein dynamisches biologisches System, das permanent reguliert, was zwischen Darm und Körper ausgetauscht wird.
Wir spüren diese Arbeit normalerweise nicht.
Und genau das macht die Ergebnisse dieser Studie so interessant: Keine Beschwerden zu haben bedeutet nicht automatisch, dass auf biologischer Ebene nichts geschieht.
Quelle / Originalstudie
Turpin W. et al. Increased Intestinal Permeability Is Associated With Later Development of Crohn's Disease. Gastroenterology. 2020;159(6):2092–2100.e5
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Sven Altorfer
Sven Altorfer ist Leiter der Forschung und Entwicklung bei der Swiss Health Nutrition AG. Mit seiner Expertise in Ernährung und bioaktiven Substanzen setzt er sich für natürliche Gesundheitsansätze ein, um präventive Massnahmen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu fördern.
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Sportliche Grüsse - Dani
Das Pulver ist gut einzunehmen. Die Verpackung umweltfreundlich und Ressourcen schonend. Ich schätze es sehr, dass Wert auf Weidehaltung in der Schweiz gelegt wird, wie auch dass keine künstlichen Zusatzstoffe verwendet werden. Die Wirkung von Collagen 50+ kann ich noch nicht beurteilen.